Untertauchen vor NS-Verfolgung
Das Verschwinden/Untertauchen von als Juden verfolgten Bewohnern aus dem gewohnten Leben in der Öffentlichkeit (zur Rettung vor der drohenden Deportation) führte zu der Bezeichnung, dass die Flüchtigen wie ein U-Boot leben.
Ohne Unterkunft konnte sich ein derart auf der Flucht Lebender kaum längere Zeit verbergen. Mitgeführte Gepäckstücke würden bei Kontrollen auf der Straße sofort einen Verdacht erregen. Ein längerer Aufenthalt in einer Gaststätte, Bibliothek oder einem Kino konnte Nachfragen zur Identität auslösen.
Manche der Untergetauchten, die man zeitgenössisch auch "Illegale" oder "U-Boote" nannte,[3] hatten ihr Verschwinden geplant, sich mit Helfern abgesprochen, Unterkunft und eine glaubhafte Legende für die Nachbarschaft gefunden und Lebensmittel gehortet.
Dieses Untertauchen einer Person in einem von Kriegswirtschaft geprägten Land über viele Wochen und Monate war sehr schwierig. Ohne gültige Papiere konnte ein angebliches Untermietverhältnis nicht legalisiert werden. Vor allem waren Lebensmittel auf dem freien Markt nur gegen Abschnitte von Lebensmittelkarten erhältlich, die eine Bezugsberechtigung voraussetzten. Die festgesetzten Rationen waren so knapp bemessen, dass ein Helfer kaum etwas an einen Untergetauchten abgeben konnte. Regelmäßige Zukäufe auf dem Schwarzen Markt konnten auffallen und zur Entdeckung führen, auch verlangten sie erhebliche Geldmittel oder Wertgegenstände zum Tausch. Auf dem Land war die Beschaffung von Lebensmitteln zwar leichter und es stand auch meist mehr Platz für ein Versteck zur Verfügung, dafür fielen Fremde dort durch fehlende Anonymität leichter auf.
Gefälschte Ausweispapiere oder verfälschte Dienstausweise waren für die Flüchtigen ohne Beziehung kaum zu beschaffen.
Ein zufälliges Zusammentreffen mit Personen, die vom Verschwinden wussten und die zugleich potentielle Unterstützer der Naziregierung waren, musste möglichst vermieden werden. Die Gestapo versuchte gezielt Spitzel in solche Netzwerke einzuschleusen. In Berlin wurde ab Februar 1943 u. a. die Jüdin Stella Goldschlag als "Greiferin" tätig und in den Niederlanden verdiente die so genannte Kolonne Henneicke an der Ergreifung von Juden.
Für Helfer wie Untergetauchte waren die beengten Wohnverhältnisse, die knappen Lebensmittel und die Angst vor der Entdeckung eine schwer erträgliche Belastung. Häufig mussten neue Helfer gesucht und Ausweichquartiere gefunden werden. Neue Untersuchungen gehen davon aus, dass "für jede untergetauchte Person bis zu zehn, bisweilen auch erheblich mehr, nichtjüdische Helfer aktiv wurden, um das Überleben im Untergrund zu ermöglichen."[4] Hinzu kamen meist zahlreiche Mitwisser, die bewusst wegsahen und schwiegen.
Quelle: Wikipedia